Die ersten Öfen aus Terrakotta stammen wahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert,es sind uns jedoch weder Beispiele noch Dokumente erhalten geblieben. Einige monumentale Kachelöfen und prachtvolle Kamine sind dennoch, in den im Gebiet des Canavese liegenden Schlössern, wie die von Agliè, Masino, Rivarolo und Ozegna zu bestaunen.

 

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts taucht in Castellamonte, neben den einfachen Öfen, der sogenannte “Franklin” auf, der großen Erfolg haben wird und der einen wesentlichen Beitrag zum Ruhm der örtlichen Keramik leisten wird. Es scheint daß der erste Kamin mit Luftzirkulation und sichtbarem Feuer vom Betrieb der Reasso, eine alte Handwerker-Dynastie, die seit Jahrhunderten im Herzen des Stadtteils Sankt Rochus ansäBig ist, gebaut worden ist. Er wurde entwickelt auf Grundlage der Forschungen des bekannten, nordamerikanischen Wissenschaftlers und Politikers Benjamin Franklin und wurde nach ihm benannt, es ist jedoch sehr wahrscheinlich daB der Abt Don Andrea Cassano, einzigartige Gestalt von Pädagoge, Revolutionär und sehr gutem Lehrer in einem, der örtliche Entwerfer gewesen ist.

 

Das 19. Jahrhundert bedeutet für den klassischen Kachelofen aus Castellamonte einen echten Triumph, er wird durch ausgearbeitete Dekorationen bereichert und mit lebendigen Farben bemalt, sodaß er zu einem richtig kostbaren Einrichtungsgenstand wird.

Die hervorragende Wärmeabgabe, die Mühelosigkeit der Feuerung ( damals war Holz billig und überall erhältlich ), die ziemlich niedrigen Preise begünstigen eine große Verbreitung nicht nur im Piemont, sondern auch in anderen Regionen. Die wichtigsten Betriebe, wie Pagliero, Galeazzo Stella und vor allem Buscaglione nehmen an den größten  Gewerbeausstellungen teil und werden mit Preisen gewürdigt, sodaß sie ein Vertriebnetz mit Filialen und Konzessionären aufbauen. Einige Stücke dieser Kachelöfen gelangen über die Grenzen hinweg nach Frankreich, in die Schweiz und nach Argentinien, auf Nachfrage vielleicht von vielen Auswanderern, die es geschafft hatten und die vermögend geworden waren. Es scheint daß einzelne monumentale Stücke sogar im weit abgelegenen Rußland  und in Sankt Petersburg ausgestellt worden sind.

Im herrlichen Wohnhaus und Museum der Familie Allaria, ein Jahrhunderte altes Geschlecht von Keramikhandwerkern wird mit liebevoller Sorgfalt eine kostbare und vielleicht einzigartige Sammlung von hochwertigen Beispielen bewahrt, und einige schöne Stücke befinden sich noch in manch alten Wohnhäusern von Castellamonte.

Mit der Verbreitung der Zentralheizung im 20. Jahrhundert, nimmt die Produktion der Öfen aus Terrakotta immer mehr ab, bis sie praktisch still gelegt wird.

Man erinnert sich noch an die Öfen in Schulen und Häusern während der letzten Kriegsjahre, wo man versuchte in diesen schrecklichen Tagen die Kälte zu lindern. Seit 1950 existiert der Terrakotta-Öfen nicht mehr. Die wenigen Betriebe, die sie noch herstellten, wie Pagliero, Rolando, Pollino sind nur noch in der Herstellung von Feuerziegeln tätig und die Presser des einheimischen Handwerkerstandes kann man nunmehr an den Fingern einer Hand zählen. Im Jahre 1955 kehrt der alte und ruhmreiche Kachelofen in unseren Häusern als Heizung und Einrichtungsgegenstand wieder ein, dank des Mutes und der Unternehmungslust von Elio Savio, eines tüchtigen, einheimischen Handwerkers der an das wirtschaftliche Potential des Holzbrand-Kachelofens glaubt, sowie an das althergebrachte und magische Handwerk des Kachelofenbauers.

 

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